Woher kommt der Druck auf den Ohren beim Starten und Landen?

Wer nach Ibiza oder Formentera will, kommt meist per Flugzeug. Und kaum rollt der Flieger Richtung Startbahn, geht es los: Kaugummis werden hervor gekramt oder die am Eingang von der Stewardess mit einem Lächeln angebotenen Bonbons in den Mund geschoben. Und sobald die Maschine abhebt, scheint die allgemeine Müdigkeit um sich zu greifen. Überall werden die Münder weit aufgerissen. Hörakustikermeister Sven Vavrik sagt, warum das so ist.
Jeder von uns macht das – und wir haben auch keine andere Wahl. Denn auch in den modernsten Flugzeugen fällt der Luftdruck, wenn es aufwärts geht. Der Luftdruck auf Meeresebene beträgt rund 1 Bar. Im modernen Flugzeug, auf Reisehöhe, ist er auf 0,6 Bar gefallen, obwohl die Kabine künstlich unter Druck gehalten wird. Der künstliche Druck bewirkt immerhin, dass wir in 12.000 Metern Höhe „nur“ einen Luftdruckabfall spüren, der einer Bergtour von rund 2500 Höhenmetern entspricht.
Aber auch dieser relativ geringe Druckunterschied wirkt sich auf unseren Körper aus. Genauer gesagt: auf die Lufträume, wie die im Mittelohr. Fällt der Umgebungsdruck, entsteht in diesem System ein Überdruck. Wir nehmen das als Taubheits- und Druckgefühl wahr. Steigt der Druck zu sehr an, beginnt das Ohr zu schmerzen. Im Extremfall kann das Trommelfell sogar platzen.
Deshalb muss der Druck ausgeglichen werden. Der Ausgleich findet in der sogenannten Ohrtrompete des Mittelohres statt. Sie verbindet das Mittelohr mit dem Nasen-Rachen-Raum. Sobald sich die Ohrtrompete – auch Tube genannt – öffnet, kann der Druckausgleich stattfinden. Kieferbewegung und Gähnen reichen oftmals schon aus, um die Öffnung zu erreichen. Bringt das Kauen oder Gähnen nicht den erwünschten Erfolg, kann der sogenannte „Valsalva-Versuch“ helfen: Schließen Sie Mund und Nase und blasen Sie mit leichtem Druck dagegen an. Dadurch öffnet sich die Trompete, und die Druckverhältnisse kommen wieder in Balance. Je früher man während Start und Landung damit beginnt, desto einfacher ist der Ausgleich.
Beim Starten haben die meisten Menschen weniger Beschwerden als bei der Landung. Das liegt daran, dass die Luft beim fallenden Umgebungsdruck ihren Weg aus dem Mittelohr recht leicht herausfindet.
Steigt bei der Landung der Umgebungsdruck aber wieder an, ist es nicht so einfach, diesen wieder in das feine Luftgefäß-System im Kopf hinein zu bekommen. Besonders, wenn die Schleimhäute durch die trockene Luft der Klimaanlage oder eine Erkältung angeschwollen sind.
An dieser Stelle muss ich eine Lanze für Kleinkinder brechen: Viele von uns sind genervt, wenn das Geschrei bei Start und Landung losgeht. Doch die Kleinen haben es wirklich schwer. Nicht nur, dass sie die Techniken natürlich noch nicht beherrschen, bei Kleinkindern ist die Trompete noch nicht ganz ausgebildet und somit haben sie dieselben Probleme, die wir haben, wenn wir uns mit einer dicken Erkältung in den Flieger setzen.
Für Menschen mit großen Druckausgleich-Problemen beim Fliegen gibt es besondere Gehörgangs-Stopfen, die mit einer Art Ventil die Druckveränderungen verlangsamen. Damit wird der Ausgleich besonders sanft – für einen beschwerdefreien Flug, zumindest, was Ihre Ohren angeht.
Buen Sonido
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