Beatriz – La Grand Dame im Boutiquehotel “El Corsario”

Unglaublich aber wahr, das ist die Lebensgeschichte hinter eine Grande Dame, die es Allen zum Trotz gezeigt hat und sich hier auf Ibiza erfolgreich niedergelassen hat und dabei nie vergessen hat, richtig zu leben!
Für uns war es ein perfekter Vormittag, denn soviele Stories mit Happy End hört man gerne und dazu noch in solch einer wunderschönen Kulisse. Wir kamen abgehetzt im El Corsario an und verließen das kleine schmucke Boutiquehotel mit einem erfrischenden relaxten Lächeln. Beatriz sollte ein Buch schreiben über sich, denn wir können Ihnen nur einen kleinen Auszug aus Ihrem Leben bieten.
Die obligatorische Frage, die wir meist zu Anfang eines Interviews stellen, wurde eine hinreißende Ausschweifung in das alte und heutige Ibiza:
Wann bist Du hier auf Ibiza gelandet und warum?
„Früher nur zu den Ferien und dann bin ich ein paar Jahre gar nicht mehr gekommen – aber dann hatte ich ein persönliches Problemchen und man schubste mich wieder hierher, wenigstens mal wieder über Ostern zu kommen. Und es gefiel mir wieder so gut, dass ich geblieben bin. Das war ´95 und seitdem verlängere ich stets, sagt sie mit einem Lächeln.Ab und an musste ich dann nach Deutschland weil man Hautkrebs feststellte, aber daran denke ich gar nicht und blicke optimistisch nach vorne. Warum ich hier geblieben bin, weil das Wetter immer schön ist und ich habe viele Plätze gesehen auf der Welt, aber hier ist eben das Leben ein anderes: Laissez fair! Hier kann man so leben wie man will, man muss nicht eine Gegeneinladung aussprechen, nur weil man eingeladen wurde, man kann es so machen wie es einem gefällt, ob man im Getümmel ist oder sich zurückzieht, hier muss man sich nicht profilieren, hier. Mich hat die Freiheit der Insel in den Bann gezogen und die Ibizenkos haben einen auch “gelassen”, sie haben zwar alles beobachtet, während Sie vermummt auf ihrem Balkon in schwarze Tücher gehüllt saßen und dann kamen wir Touristen und rannten halb nackt durch die Gassen. Oder ich selbst saß mal oben herum entblößt auf meiner Terrasse und hinter mir ein Balkon weiter ein Spanier, der mich die ganze Zeit anstarrte. Natürlich stand ich auf und habe gefragt: Que bassa? Er war außer sich, flog fast von der Brüstung und das würde nicht gehen und seine Söhne…! Daraufhin habe ich natürlich gesagt, die haben das doch gerne und er rief wutentbrannt: Yo llamo la policia!” und schwupps waren alle Fensterläden geschlossen. Das ist bei den alten Ibizenkos noch so drin, durch die Diktatur und darum wehren sich diese auch nicht und lassen viel mit sich machen, aber nun kommen ja die jungen an die Macht und es passieren die haarsträubendsten Dinge! Plaza Espana ist eines meiner liebsten Beispiele, nur die Gäste vom Mirrador dürfen noch hier parken. Der schönste Platz mit seinen Pflastersteinen, alten Pflanzen musste dem Parkplatz weichen und genauso haben sie alle Schatten Möglichkeiten hier in Dalt Villa entfernt. Da rennen die alten Rentern hier hoch, kommen fix und fertig ob an, bleiben vor dem El Corsario, müssen mal pinkeln, haben Durst, wollen aber nicht viel
ausgeben…da habe ich mal den Vorschlag gemacht irgendwelche Fixie Flexi Klos, oder wie die heißen, aufzustellen. Wenn die wüssten, wieviel Geld die mit öffentlichen Toiletten machen könnten, dann wäre hier alles voll bis ganz unten mit diesen Klohäuschen.“
Wann hast Du das Hotel übernommen?
„Ich habe mich hier ja schon ´99 beteiligt, das war eine totale Fehlinvestition, die ich damals gemacht habe und um das nicht ganz zu verlieren, habe ich mir am Ende überlegt es ist besser es ganz zu übernehmen. Und da ich als Hobby schon immer gerne alte Häuser in England und Frankreich, Deutschland renoviert habe, bin ich dazu gekommen das einfach mal zu machen.
Wie sah Dein Lebensweg bis dato aus?
Eigentlich gelernte Werbekauffrau und dann zusammen mit meinem Mann eine eigene Agentur gegründet und dann habe ich sehr viel gearbeitet und zwar soviel, dass ich irgendwann dachte, das Leben kann nicht nur aus button downs, clarks bestehen und darum bin heutzutage ich ja so gegen diese Statements was man muss, was man darf. Klar das habe ich einmal selbst gemacht, aber heute denke ich wie bescheuert! Klar bist Du als Werber der Trendsetter und sagst, was schick ist, aber irgendwann habe ich mir gedacht: Nein, Beatriz, Du musst reisen, Du musst irgendwann anfangen was von der Welt zu sehen, sonst hab ich Scheuklappen auf! Dann habe ich meine Koffer gepackt und bin an die schönsten Orte der Welt gereist, habe mich viel mit kunst befasst, kannte sehr viele Künstler und habe angefangen Kunst zu sammeln. Und so habe ich mir einen Plan gemacht und mir immer bestimmte Orte rausgesucht. Und zwischendurch habe ich auch wieder gearbeitet, und da waren meine Tage auch so ausgefüllt, dass ich dachte: oh wie toll ist das und umgekehrt, wenn ich auf Reisen war, war ich auch voll in meinem Element. Also ich bin mit den jeweiligen Situationen in die ich mich selber bringe immer sehr zufrieden und kann die auch sehr gut händeln! Und jetzt bin ich ganz zufrieden und habe gar keine Lust mehr zu reisen. Ich müsste dringend nach Hamburg, um einige Sachen zu regeln – und das seit 6 Jahren und die rufen die mich immer an, aber dann denke ich mir: das hat mich vorher auch nicht gekratzt, dann kann das noch warten!”
Alles spricht von Frauenquote – Du hast es sozusagen “geschafft” und bist erfolgreiche Businessfrau. Wie ist Deine Meinung zur Frauenquote?
„Es hat schon immer Frauen gegeben, die sich nicht an Regeln gehalten haben und die Masse, ob Männlein oder Weiblein hält sich immer an Regeln, da haben die Männer eine bessere Position als Frauen, aber die sind nicht so wahnsinnig innovativ aber Frauen gab es schon immer, die außergewöhnlicher waren und ihren eigenen Weg gegangen sind, auch auf die Gefahr hin, dass man sie verurteilt hat und es wird immer Frauen geben, die ihren Mann stehen und die anderen, vielleicht den ein oder anderen kann man mal mitziehen, aber es muss in dem jeweiligen Charakter liegen, sich abzuheben, sonst geht man nach der doch wieder in der Masse unter. Wenn man Argumente hat, ein Konzept, mit dem man überzeugt und sich selbst treu bl
eibt, dann hebt man sich!”

Wohin geht für Dich der Trend im Bezug auf Holiday und Lifestyle auf Ibiza?
„Für mich ändert sich da nichts, denn die Insel hat kein Konzept und dann sitzen da irgendwelche Leute, die keine Ahnung haben, sich nirgendwo informieren auf der Welt, vielleicht sind sie mal nach Miami Beach gefolgen, aber je nachdem wer da gerade das Sagen hat, wird Entsprechendes preferiert: Massentourismus, gehobener Tourismus und das neue Lieblingswort Lujo…aber Lujo kannst Du nur haben, wenn Du drumherum auch was bietest, aber da fängt es schon an, denn wir bieten kein Luxus, es müsste in der Altstadt nach Jasmin duften, üppige Bäume müssten da sein – was haben wir stattdessen? Blattlose Wüstenpflanzen, die von den Hunden bepisst werden…und nun haben wir zwei wunderbare Sachen für Ferienliebhaber, die nicht so weit reisen wollen: Wenn es regnet haben sie hier die Niagarafälle und im Sommer hast Du hier Afghanistan – glühend heiß, nur Felsen, Steine…fehlt nur noch einer mit der Knarre!
Hast Du keine Ambitionen mehr in die Politik zu gehen?
“Nein! Ich bin für all diese Sachen viel zu ungeduldig, wenn ich etwas verändern will, dann muss das sofort – wahrscheinlich sterbe ich da. Ich kolabiere am Rednerpult wenn mir einer widerspricht!” Wir fragen ihren Lebensgefährten wie es ihm denn geht und Beatriz antwortet postwendend: Er lässt mich zappeln, er lässt mich so vor die Pumpe rauschen und ich laber laber laber und ich bekomme keine Antwort und das schätze ich aber auch wieder nicht – aber dafür hat er seine anderen Vorteile!“schmuzelt sie.
Welcher Gast war Dein bisher größter Star?
„Das kann ich so nicht sagen,Du hast soviele Erlebnisse in einem Hotel, die prägend sind, im guten wie im unangenehmen und die schönsten Erlebnisse hast Du mit den Gästen, die eine gute Kinderstube erreicht haben und die schlimmsten mit denen die zu schnell zu Geld gekommen sind, die haben keine Manieren!“
Wie würde eine ehemalige Werbekauffrau ihr Wappen entwerfen?
“Mit Sicherheit nicht mehr als zwei Farben, das ist schon mal ganz klar. Dann ein Auge! Das Auge ist eines der wichtigsten Elemente, ohne das Auge könnte man andere Sachen nicht umsetzten – wie ein Antenne, aber ich kann ja keine Parabolantenne aufs Wappen machen, um alles zu empfangen. Viel Informationen, immer offen, lernbereit…ja, das Auge wäre ideal!”
Fashion…ist es Zufall, dass Deine Brille heute optimal zu Deinem Gesamt – Outfit passt oder hast Du für jedes Outfit eine passende Brille?
„Wenn ich mich anziehe ist eigentlich alles zufällig was ich mache, aber es passt nur meistens einfach immer. Es geht bei mir nicht, wenn ich was auf die Schnelle anziehe und es nicht passen würde, das würde mir im Auge weh tun! Ich habe von all den Sachen, die einen schmücken reichlich, dazu gehören Brillen, Schmuck, Accessoires…Aber ich brauche auch nicht überlegen, das einzige vielleicht, nach was mir heute ist und dann greife ich zu und kann blind weitermachen. Mir tut einfach alles weh was nicht schön ist, es ist wie, wenn man meine Hand auf eine heisse Herdplatte legen würde.”
Apropos Design und Style – was hälst Du von den neuen Designhotels auf der Insel?
„Eigentlich ganz toll, das traurige ist nur, dass dieses “gleich” machen durch die Medien und diese Informationen und die Masse eben das tut, was eben alle anderen tun, finde ich es traurig, dass ein Designhotel dem Anderen gleicht: weiß, minimalistisch – aber für mich ist das traurig. Der der das erfunden hat, wunderbar! Dann kann ich mich davon inspirieren lassen, aber meinen Input hinzufügen und es Einzigartig machen. So durchzieht sich das aber durch viele Trends, mal sind es die großen Tiere, dann die Buddhas oder schwarz in der Mode. Dann sagt irgendein Modeschöpfer, schwarze Strumpfhosen sind in und alle rennen auf einer Party damit rum. Ich lebe so, dass ich mir meine eigenen Gedanken dazu mache und meine integriere, so entsteht etwas schönes Neues!”
Auf die Frage, ob sie noch Träume hat, kommt simple: “Gesund bleiben, damit ich die Treppen noch gut hochkomme und das Leben weiterhin so genießen kann!”
Wir hätten noch stundenlang plaudern und zuhören können und wenn Sie nicht genug haben, dann besuchen Sie La Grande Dame einfach im El Corsario, sie wird sicher ein Sekündchen Zeit haben und Sie mit einer der zahlreichen Geschichten aus Ihrem Leben erheitern können. Beim Verlassen des Hotels werfen wir noch einen Blick auf die Rezeption und entdecken Bilder von Beatriz und Prinz Charles, Gunter Sachs traf sie auch schon auf Sylt, König Juan Carlos steht neben ihr beim Polo…und neben uns saß heute eine bescheidene, über alle Maßen herzliche Lady, die einfach Mut macht, für ein schönes Leben, die uns erheitert hat, so dass wir anschließend erstmal einen Bummel durch die Altstadt unternahmen und wieder mal einen Blick für all das Schöne auf Ibiza hatten.
Wir bedanken uns herzlichst für dieses interessante und amüsante Interview mit Beatriz, die von ihrem äußerst chamranten Lebensgefährten begleitet wurde, mit dem sie hier glücklich und zufrieden lebt.

El corsario Casa Historica C/. Poniente 5, 07800 Ibiza Baleares, España Telefon: +34 971 30 12 48 Telefax: +34 971 39 19 53 info@elcorsario-ibiza.com






